Schwanenteich

Schülerblog des Gymnasiums ,,Am Breiten Teich" Borna

[Wer sind wir?] „All the world’s a stage“ (Shakespeare-Variationen)

Ich bin. Hamlet.
Du bist. Beatrice.
Er ist. Mercutio.
Wir sind. Antonius und Cleopatra.
Ihr seid. Richard der Dritte.
Sie sind. wir.
Wer sind wir?


Der Winter eures Missvergnügens ist nun vorbei. Aus rauhem Feldlärm wurden munt’re Feste. Doch geprägt seid ihr noch.

Wenn ihr erkennen wollen, wer ihr seid, müsst ihr euch wohl auch fragen, wer ihr wart, welchen Einfluss unsere Vergangenheit auf uns hat.

Ihr seid Richard der Dritte, König von England. Ein Herrscher, mächtig. Selbstverliebt. Wer ihr wart? Richard, Herzog von Gloster. Ein Schurke? Gekränkt, hässlich?

Alle Vergangenheit ist nur ein Prolog.

WILLIAM SHAKESPEARE; „DER STURM“

Niemand scheint so von seiner Vergangenheit geprägt zu sein, wie Richard. Doch. Ihr alle seid es. Ihr seid ein Produkt dieser. Gut oder schlecht oder beides. Eher letzteres.

Richard war ein Opfer. So meint er selbst und so war es. Eines der Natur und der Gesellschaft. Nur hat er sich selbst zu diesem gemacht.

Es gab zwei Richards: den echten und den, für den ihn die Gesellschaft hielt. Um den geht es hier. Seid ihr also das, was ihr von euch denkt oder das, was andere über euch denken? Denn wenn niemand weiß, wie wir sind, können wir dann wirklich so sein?

Aber was seid ihr für die anderen? Was ihr wart, das woher und wie sie euch kennen?

Richard war vermutlich ein sehr verwundeter Mensch. Nicht körperlich, vielmehr seelisch. Der frühe Tod seines Vaters, die politische Instabilität und die Machtkämpfe hinterließen ihre Spuren. Er suchte einen Weg, mit seinen Traumata umzugehen. Geschafft hat er es nicht wirklich. Gestorben ist er durch seine eigene Missgestalt.


Ich bin durch meine Vergangenheit geprägt und stehe vor meiner Zukunft. Ich bin Hamlet, Prinz von Dänemark.

Mein Vater wurde ermordert. Sein Bruder und Mörder ist nun König. So soll ich mich an ihm rächen. Die anderen halten mich für wahnsinnig. Vielleicht bin ich es.

Ich stehe vor vielen Fragen. Vor einer ganz besonders.

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.

WILLIAM SHAKESPEARE; „HAMLET“

Macht es denn Sinn, diese Qualen weiter zu ertragen?
Ist der Tod mein einziger Ausweg?
Sterben – schlafen – nichts weiter.

Der ewige Schlaf ist ein Ziel, das wir erreichen müssen und werden.
Der Mensch steht zwischen seinen Qualen und seinem Entschluss zum Tod so, wie er auch zwischen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft steht. In jedem Augenblick seines Lebens.

Ich bin, was war und werde ein winziger Punkt in der Geschichte.


Ihr wart Richard. Ich bin Hamlet. Sie sind ein Teil von uns. So wie Mercutio und Beatrice. Wie Antonius und Cleopatra. Sie sind unsere Gesellschaft. Sie sind wir. Sie entwickeln sich weiter und werden. Was werden sie?

Sagen kann das wohl niemand. Vielleicht werden sie ja Anarchokommunisten, Drogenabhängige oder Diktatoren. Eines ist sicher. Der Tod holt sie alle ein. Sie selbst bekommen vom Moment des Sterbens nichts mit. Nur von den Momenten davor.

Für wen es schlimm ist; die Hinterbliebenen. Feinde, die niemanden mehr zu ärgern haben. Töchter, die keine Eltern mehr haben. Geliebte, die nicht mehr geliebt werden.

Und wenn ich sterbe, nimm ihn und schneide ihn in kleine Sterne, und er wird das Antlitz des Himmels so schön machen, dass alle Welt sich in die Nacht verliebt.

WILLIAM SHAKESPEARE; „ROMEO UND JULIA“

Was ihr hinterlasst, wird weiterwirken. Nicht für immer, aber für lange Zeit. Es wird das Leben anderer verändern.


Dieser Beitrag ist Teil eines neuen Projekts. In diesem wollen wir uns in einer jeweils zweimonatigen Spanne auf ein Thema oder Motto fokussieren. Im März und April 2025 beschäftigen wir uns, im Zuge des Mottos „Wer sind wir?“, mit der Identität. Natürlich veröffentlichen wir auch Beiträge zu anderen Themen.
Möchtest auch du etwas zum Thema loswerden? Schreib uns gern eine E-Mail. Wir freuen uns!


Bildquelle: Pixabay

Das meiste vom Text kam wohl aus meinem Kopf, hier aber die Zitatquellen:
Zitat Überschrift: William Shakespeare, Wie es euch gefällt, Akt II. / Szene 7. All the world’s a stage“ – Wikipedia
Zitat 1: William Shakespeare, Der Sturm, Akt II. / Szene 2. „What’s past is prologue – Wikipedia
Zitat 2: William Shakespeare, Hamlet (oder Hamlet, Prinz von Dänemark), Akt III. / Szene 1. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 31, S. 74 (2022)
Zitat 3: William Shakespeare, Romeo und Julia, Akt III., Szene 2. Penguin Little Black Classics Nr. 113, S. 35: „Is this a dagger which I see before me?“ (2016)

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